Samstag, 22. Juli 2017

Samenbank in der Kiste

Meine Terrassentomaten wuchern so vor sich hin, nehmen mir auf dem Sofa die Aussicht und tragen hauptsächlich noch grüne Früchte. Aber wer, wenn nicht die mit Herzblut im März ausgesäten Pflanzen, dürfte sich die Freiheit herausnehmen, mir die Sonne im Wohnzimmer zu verdunkeln?

Die ersten Johannisbeer-Tomätchen sind schon rot. Ich hätte auch drauf gewettet, dass sie das Rennen gewinnen werden. Die kleinen Dinger sind zum gleich Vor-Ort-Vernaschen.




Und diesmal verspreche ich hoch und heilig, dass ich von allen Sorten Samen ernten und aufbewahren werde! Das habe ich letztes Jahr nämlich verpennt und schon war Herbst. 

Also musste ich im März noch mal auf das Saatgut von 2015 zurückgreifen, das ich seinerzeit auf ein Stück Küchenkrepp geschludert und immerhin noch mit Bleistift beschriftet hatte. Das altehrwürdige Saatgut tat zwar noch, reagierte in seinem Keimverhalten aber schon deutlich beleidigter. Ich gelobe Besserung, ich schwöre! 

Und damit ich auch ausreichend motiviert bin, habe ich mir eine Samenbank gebastelt. Die Idee kam mir beim After-Eight-Vertilgen auf dem Sofa beim Blick auf die Tomaten draußen. Wenn ich schon keinen englischen Garten und noch nicht mal einen englischen Rasen habe, dann kann ich wenigstens was englisches futtern. Die schwarzen Tütchen, mit denen die Schokoblättchen eingepackt sind, sind doch perfekte Briefumschläge für die Samen. 

Und dann war da ja noch die Tomatenbox, die ich im Altpapiercontainer aufgestöbert und gerettet hatte. Die ist zwar von Pappe, aber außen in Holzoptik gehalten und ganz clever zusammengesteckt. 





Jetzt noch ein hübsches Papier eingeklebt, kleine Wäscheklammern zum Umschlaghalten angeleimt und schon warten die Tütchen auf die Samenernte.



In die Samenbank gehört natürlich auch die ganz entzückende birnenförmige Tomate. Die ist so wahnwitzig hübsch, dass sie mir auch nächstes Jahr mit ihren kleinen Glühbirnchen erleuchten soll! Für sie war jetzt nur kein Tütchen mehr frei. Muss ich wohl noch eine Kiste bauen...
 

Samstag, 15. Juli 2017

Schöne Schötchen (...und Besuch Schloss Ippenburg)

Erbsen sind gut, Zuckerschoten sind noch besser. So lecker sind sie, dass sie es bei mir nie bis in die Küche schaffen. Und wie unglaublich praktisch, weltbewegend und überhaupt fantastisch wäre es doch jetzt, wenn man die hübsch grünen Schoten der Breitblättrigen Platterbse (Lathyrus latifolius) auch essen könnte? Sie sehen aus wie Zuckerschoten, sind überaus reichlich vorhanden an der spendablen Rankstaude, haben aber einen gravierenden Nachteil: Sie sind gänzlich unbekömmlich und sogar giftig.




Die Staudenwicke möchte bitteschön nicht gegessen werden, soviel steht mal fest. Worüber sie leider nicht genug nachgedacht hat: Die Giftigkeit mag vordergründig zum Vorteil gereichen, auf lange Sicht aber wäre ihr ein Platz in viel mehr Gärten sicher, wäre sie nur essbar. Und da heißt es immer, nur Menschen könnten nicht langfristig denken. Aber nein, die wunderbare Wicke setzt einzig und allein auf ihre Schönheit.

Also kann man getrost auf die Schoten verzichten, wenn man die Damen nicht vermehren möchte. Fleißiges Zupfen ist angesagt, um die Blütezeit zu verlängern. An meinem Rosenbogen bin ich auch ganz bemüht, aber im Null-Euro-Beet, das ich nicht ständig im Blick habe, herrscht schon mal der Schlendrian - und dann heißt es Nachsitzen und hunderte Schoten auf einmal abzwicken. Die Nachblüte freut nicht nur uns, sondern auch eine ganze Reihe schöner Tiere:

Der Zitronenfalter, frisch geschlüpft und erst seit Kurzem von einer Immobilie zum Reisenden geworden, mag die Blüten so gern, dass er nach einer kurzen Flugrunde gleich wieder da ist und weiternuckelt.



Auch dem Grünader-Weißling (Pieris napi) schmeckt's:




Blattschneiderbienen lieben die Blüten ebenfalls heiß und innig. Das erste Mal dieses Jahr habe ich nicht nur Megachile ericetorum, sondern auch Megachile nigriventris an den Wicken gesehen.


M. nigriventris

Diese Varietät mit dem ungewöhnlichen dunklen Rand steht bei meiner Mutter im Garten und ich könnte schwören, dass sie früher noch nicht da war. Da hat sich eine ganz neue Sorte gebildet, die ich leider noch nicht vermehren konnte.



Das liegt zum einen daran, dass meine Mutter auch immer alle Schoten entfernt, zum anderen an ihm hier: Dem Erbsenkäfer.








Seine Larven fressen die Samen, was man aber erst merkt, wenn der Käfer schlüpft und sich herausbohrt. Er hat's am Besten: Was wir uns erträumen, nämlich sowohl Erbse als auch Wicken essen zu können, ist ihm vergönnt. Im Frühjahr hat man dann nichts Keimfähiges mehr von den gesammelten Samen in der Schublade. Und so sorgt der Käfer dafür, dass sich die Wicken nicht allzu sehr vermehren, indem sie ihre Samen in der Gegend herumwerfen.


Man kann es nicht oft genug sagen: Holt euch die rankenden Platterbsen in den Garten, lasst sie sich an Obelisken, Zäune und Rosenbögen heranschmeißen - das schmückt und lockt fröhliche Insekten an. Auch wenn man die schicken Schoten nicht essen kann, aber da wollen wir mal nicht so kleinlich sein und lieber wieder Zuckerschoten pflanzen...

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Apropos Zuckerschoten: Am letzten Wochenende habe ich den Küchengarten auf Schloss Ippenburg in Bad Essen besichtigt - er ist im Sommer jeden Sonntag geöffnet. Hinterm Schloss geht's auch weiter, mit einem opulenten Rosen- und Staudengarten. Hier ein paar Impressionen (Klick auf ein Bild startet die Diaschau):

















Samstag, 8. Juli 2017

Gartenfrust statt Gartenlust?

Hat es nicht schon fast etwas Ketzerisches, wenn man dem Garten nicht nur Glücksmomente entlocken kann? Der Garten als Quell des Unheils statt der ungetrübten Freude? Unerhört! Sowas gibt es ja wohl nicht, in den Gartenzeitschriften sieht man ja auch nur lachende, hübsche Menschen, die voller Freude Dinge tun. Den Garten mit dem Schlauch von der Dürre befreien zum Beispiel. Oder Rasen mähen in makellosem Outfit, während man selbst gerade vor Hitze zu zerfließen droht. Nein, diesen Sommer bin ich etwas nörgelig mit dem Garten - ich bitte dies zu entschuldigen, das geht auch wieder weg.

Erst war da diese katastrophale Trockenzeit im Juni, die mich an den Rand des Wahnsinns getrieben hat und mehrmals am Tag quer durch's Haus mit der Gießkanne (die Regentonne steht im Vorgarten, die meisten notleidenden Pflanzen nicht). Dabei fiel schon negativ auf, dass zu allem Überfluss auch noch der Weinfass-Teich soff wie ein Loch, denn ein solches hatte er ganz offensichtlich. 40 nagelneue Liter Wasser aus der Regentonne waren in Null-Komma-Nix versackt. Den Phlox daneben hat's sichtlich gefreut.

Das wurde mir jetzt doch zu blöd. Meine armen Libellenlarven! Im Baumarkt fand sich kein passender Weinfass-Einsatz zum Abdichten, also haben wir aus lauter Verzweiflung so ein Fertigteichdingsbums mit Kunststoffeinsatz und Holzvertäfelung mitgenommen. Beim Leerräumen des Fasses traten auch sofort eklatante Mängel in Form von Fäulnis zutage. Als Teich war das nicht mehr zu gebrauchen. Die Libellenlarven (von einer Großlibelle, vielleicht Sympetrum) hatten sich vergraben, konnten aber gerettet werden, ebenso wie Hechtkraut und Schwanenblume.





Bepflanzen lässt sich das alte Fass aber bestimmt noch. Die Pflanzen richten sich hoffentlich demnächst mal wieder auf und freuen sich ihres neuen, feuchtfröhlichen Lebens...



Und während am Weinfass der Zahn der Zeit nagt, sind es an der Stachelbeere die Blattwespen. Da kann man schon mal die Motten kriegen, wenn man Hunderte von Larven abgesammelt hat und trotzdem kein einziges Blatt mehr dran ist. Denn wenn ich arbeiten muss, sind die Fresssäcke auch nicht untätig und machen Kahlfraß.






Wenigstens die Beeren fressen sie nicht, noch nicht mal in der Not. Stachelbeermarmelade ist also wie immer ein Projekt, das ich angehen kann - für schlechte Zeiten. Die kommen dann, wenn ich im Winter auf dem Sofa sitze und denke: Ach, was war er doch wieder schön. Der Sommer.

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