Samstag, 24. Juni 2017

Die Kanne ist voll

Glänzend sind sie, schick und bestimmt der heimliche Traum jeder Elster: Metallgießkannen. Sie haben aber eine Achillesferse: Lässt man Wasser darin stehen, so wie Pflanzen es gern haben, hat die Gießkanne das auf Dauer gar nicht gern und entwickelt am Boden eine undichte Stelle. Das Spiel habe ich jetzt mit drei Exemplaren erfolgreich durchexerziert mit immer demselben Ergebnis: Eine Pfütze unter der Kanne.

Zwei der defekten Glanzstücke habe ich zum Bienenhotel umfunktioniert, wovon eines seit geraumer Zeit allerdings als Mäusehochsitz mit Stil missbraucht wird. Ist ja auch schön trocken und eine 1a-Wohnlage mit Aussicht, das fand auch die Gelbhalsmaus.

Nun war ein drittes Metallteil leck geschlagen und stand nutzlos neben der Regentonne herum. Nach dem Motto "draußen nur Kännchen" habe ich es diesmal bepflanzt - inspiriert von dieser Fensterbanklandschaft in einem Wald-Café:



Zuerst habe ich alle möglichen Tonscherben hineingeworfen als Bodenanker,  dann Blumenerde eingefüllt. Um eine Drainage muss man sich nicht kümmern, die Kanne hat ja schon einen Wasserabfluss, was sie bereits eindrücklich bewiesen hat.

Sempervivum als Bepflanzung ist der Klassiker. Weil ich aber soviele Sämlinge der Kronen-Lichnelke übrig hatte und dazu einen Sämling von Campanula poscharskyana, die sich so hübsch hängen lässt, haben sie den Erstbezug der Kannenwohnung bekommen.



Die Mutter der Baby-Glockenblume wächst daneben in einem großen Topf und ist eine ganze andere Geschichte, denn eigentlich enthielt der Kübel mal eine große Hosta, bis die Glockenblume mit einer Malve als Verstärkung den Topf geentert hat. Danach war die Funkie irgendwann beleidigt und ist verschwunden.

Glockenblume umgarnt Glücksklee

Und nun umschlingt die Mutterpflanze ganz herzig die kleine Glockenblume in der Kanne, was richtig nett aussieht.


Seit neuestem ist noch ein Pilz aus dem Ensemble gewachsen. Nein, kein Gießenkannenschimmel, sondern irgendein schmucker, standfester Lamellenträger mit Hut.


Für's erste ist jetzt aber Schluss mit immer undichten Metallgießkannen, aller guten Dinge sind schließlich drei und mehr sollen es nicht werden.

Und wenn die Bepflanzung irgendwann nicht mehr glücklich ist, wird es eben doch Sempervivum im Kännchen geben.




.... und wo wir beim Thema Gießkanne sind: In den letzten Tagen sind die große grüne Kanne und ich unzertrennlich geworden, denn der Regen macht Urlaub und mag meinen Garten nicht mehr von alleine wässern. Daher wünsche ich mir heute Niederschlag zum Geburtstag, so!

Samstag, 17. Juni 2017

Rosenhypochonder

Meine Gartenkarriere begann mit Wildrosen, da kann man wenig falsch machen, außer welche mit Ausläufern zu pflanzen. Oder Arten, die zu groß für einen Minigarten werden. Ich habe alle Varianten gesetzt, damit es bloß nicht langweilig wird.
Rosa multiflora


Später kam der Wunsch nach ungefüllten oder wenigstens nur leichtgefüllten Kletterrosen auf, die für die Bienen ein (gelbes) Herz haben. Also zog die rosafarbene Manita ein, die Moonlight auf der anderen Seite bekam ich zum Einzug geschenkt - gut, dass auch sie nicht vollständig gefüllt ist. Nur im Vorgarten darf es etwas repräsentativer zugehen, dort wächst die Rose de Resht. Sie wird zwar zu den naturnahen Gartenrosen gezählt, man sieht aber selten Insektenbesuch und auch Hagebutten setzt sie so nur wenig an.





Und was habe ich damals für ein Theater mit den beiden Kratzbürsten Manita und Moonlight veranstaltet, als sie ganz neu waren... Sie bekamen hausgemachte Banenenschalenschnitzel zu ihren Füßen gelegt, weil das gesund und nahrhaft sein soll. Warum soll nur ich Obst essen?

Mitte Juni gab es noch mal Rosendünger, damit nach der ersten Blüte bloß nicht schlappgemacht wird. Der Boden wurde immer schön gelockert, jedes kranke Blatt und jede alte Blüte von mir höchstpersönlich von ihrer Majestät entfernt.

Als bei Frau Manita ein kapitaler Ast daneben hing, war ich am Boden zerstört. Ich habe ihn wieder an Ort und Stelle zurückgehoben, mit Schnur umwickelt und so wuchs wieder zusammen, was zusammen gehört. Das Flickwerk hielt immerhin über ein Jahr, dann brach der Ast genau dort wieder ab.


Der Rosentriebbohrer war in meinen Augen eine große Katastrophe, mindestens vom Ausmaß eines Bahnstreiks zur Urlaubszeit. Der Blütenstecher, ein zum Niederknien niedlicher Rüsselkäfer, ruiniert vor allem die Wildrosenblüten, und ich habe die verlorenen Knospen kiloweise abgesammelt. Hier hängen sie traurig nach unten, weil Seine Niedlichkeit, der Blütenstecher, dran war:


Auch andere Schädlinge betrachtete ich mit Argwohn. Gift habe ich trotzdem nicht eingesetzt.

Heute bin ich viel gelassener geworden. Rosen sind auch nur Menschen, keine Zimperlieschen. Wenn man beim Kauf wenigstens auf gute Blattgesundheit achtet, blühen sie sich trotz aller Vernachlässigung die Seele aus dem Leib, wenn sie nicht völlig verschattet stehen.




Jetzt bekommen die Damen im Frühjahr wie alle anderen Pflanzen Kompost vor die Füße geworfen, Extrawürste gibt's keine mehr, auch keine Bananenschalen. Stirbt ein Ast ab, warum auch immer (und es gibt unermesslich viele Gründe), wird er eben entfernt und das Thema ist erledigt.

Kranke Blätter bleiben dran, auch aus Gründen des Selbstschutzes, denn ich komme ohne Kratzer oder Leiter oder beides gar nicht mehr überall hin. Der Blütenstecher kann machen, was er will, denn soviel Zeit habe ich auch nicht, ihn wirklich einzudämmen.

So, damit müssen sie jetzt klarkommen. Wie haltet ihr es mit den Rosen?

Samstag, 10. Juni 2017

Hängematte für Bücher und eine Buchvorstellung

Irgendwo hatte ich eine Anleitung für eine Katzenhängematte gefunden, die Katzen toll zum Schlummern finden und die man unter einem Stuhl anbringen kann, damit Katz ein Dach über dem Kopf hat. Die Nähmaschine hat mitgemacht und schon war die Hängematte fertig (einfach zwei Lagen Stoff auf links zusammennähen und an jeder Ecke eine Schlaufe aus Gummiband mit einfassen, dann wenden und die Wendeöffnung zunähen). Was ich nicht bedacht hatte: Unsere schwarze Schlummerrolle namens Quietschie hat ja nur noch ein Hinterbein und traut sich daher nicht auf wacklige Untergründe. Ich kann es verstehen, da kann man auch bös abstürzen und sich den Katzenhintern prellen.

Aber das wäre doch gelacht, wenn man keine Nutzungsänderung für das immerhin floral bedruckte Machwerk finden könnte. Das muss in den Garten, ganz klar! Und zwar unter den Gartenstuhl, für den Fall, dass ich ihn mal wieder weit abseits des nächsten Tisches hingestellt habe, um Mauerbienen, der Sonne oder sonstwas zu folgen.




Wenn ich dann etwas schnell weglegen muss, zum Beispiel, weil das Telefon klingelt: Ab damit in die gemütliche Hängematte für Zeitschriften oder Bücher - mit Netz und doppeltem Boden!

Und was ich da gerade lese und nur selten weglege, ist Folgendes: "Schön wild" von Brigitte Kleinod und Friedhelm Strickler, erschienen im pala-Verlag.


Das Buch bietet Beetvorschläge für Kombinationen heimischer Pflanzen für jeden Standort mit Pflegeanleitung. Die Autoren sind kompetent, Herr Strickler ist schließlich bekannt als Gärtnereibesitzer für heimische Pflanzen und hat einen großen Schaugarten. Selbst war ich leider noch nicht dort.

Stinkender Storchschnabel mit Angelica


Wiesenknopf mit Blutzikade

Wald-Storchschnabel mit Schlangen-Knöterich (Rhön), Gänse-Fingerkraut, Ginster mit Roter Lichtnelke



Bevor es an die einzelnen Beetvorschläge geht, werden die Grundlagen erläutert. Es wird betont, dass es keinen Sinn macht, den Boden an die Pflanzen anzupassen. Besser, einfacher und ökologischer ist es, die Stauden für die herrschenden Bedingungen auszuwählen. Als Zugabe gibt es eine Liste mit heimischen Zwergsträuchern sowie eine Aufzählung von Stauden, die Unkraut unterdrücken können. Viele davon kann ich bestätigen: Echtes Seifenkraut, Wald-Erdbeere, Bärlauch, Wald-Ziest und Waldmeister funktionieren bei mir bestens als Bollwerk.

Rot-Klee, Zaun-Wicke mit Langhornbiene (Weibchen), Spitzwegerich mit Pusteblume


Wiesenraute mit Rosenkäfer

Der Hauptteil ist den Bepflanzungsbeispielen gewidmet. Wie meistens beim pala-Verlag enthält das Buch keine Fotos, sondern farbige Zeichnungen. Das tut dem Ganzen keinen Abbruch, denn es wäre unglaublich schwierig, alle diese Beete zu jedem Zeitpunkt zu fotografieren. So kann die Skizze eine Idealvorstellung wiedergeben.

Knöllchen-Steinbrech, Zaunwicke mit Langhornbiene (Männchen, Bamberg)

Ein Manko ist das Register, das ist für Fortgeschrittene, da es keine Trivialnamen verschlagwortet. Aber womöglich ist das auch so gewollt und das Buch richtet sich an Gartenbesitzer mit einem großen Pflanzenwissen, denen nur die Ideen für gelungenen Kombinationen fehlen. Lustig ist, dass immer wieder Tiere versteckt sind, die man finden muss.

Wiesen-Salbei, Bläuling, Witwenblume


Es ist unter den 22 Vorschlägen wirklich für jede Lebenslage etwas dabei - sogar an trittfeste Stauden zum Unterpflanzen von Obstgehölzen wurde gedacht - wo gibt es sowas schon? Die kann man dann bei der Ernte ruhig mal mit Füßen treten. Auch schön ist das Beet mit essbaren Blüten oder das für Sandbienen.

Insgesamt enthält das Buch ein Füllhorn an Pflanzen, die normalerweise bei der Gartengestaltung übergangen werden und endlich mal aus der Versenkung geholt werden müssen - den Insekten und den Pflanzen selbst zuliebe. Mit dabei ist auch das Scharbockskraut, das meiner Meinung nach besser ist als sein Ruf.

Ich jedenfalls habe Anregungen für trockene, schattige Plätze bekommen, auf die ich so nicht gekommen wäre - zum Beispiel die Schwarzwerdende Platterbse! Die könnte man doch ausprobieren - wenn ich mich denn mal von meinem Hängemattenstuhl losreißen kann...

Samstag, 3. Juni 2017

Blüten im Null-Euro-Beet? Unbezahlbar!

Nun ist der Wonnemonat Mai schon wieder vorbei, was sich reimt und gar nicht gut ist, denn von ihm kann man nun wirklich nicht genug bekommen. Aber zum Glück gibt es ja noch zweitbesten, den Ersatz-Wonnemonat, und nun ist er angebrochen: Der Juni.


Während der Mai im Null-Euro-Beet schon nicht von schlechten Eltern war, ist sein Nachfolger der Monat des Mohns. Man staunt, wie die Pflanzen es schon wieder geschafft haben, ihre Samen zum Keimen zu bringen, obwohl der Boden nicht umgegraben wurde. Jetzt blühen die ersten borstigen Knospen, dass es eine wahre Pracht ist. Viel mehr werden im Laufe der nächsten Wochen noch aufgehen.



Die Bartnelken haben sich wieder Bart und Blüten wachsen lassen:



Schon im Mai fing das Spanische Gänseblümchen an zu blühen - auch ein kleiner Held, der eigentlich nicht hinreichend winterhart ist, aber das weiß er zum Glück nicht:




In den Juni hinein geht es auch mit der Pentaglottis sempervirens, die sich in mehrfacher Ausfertigung in das Beet geschlichen hat und ihm einiges an Blüten einbläut:

Die Margeriten blühen, hier ganz kontrastreich neben der Purpurschlehe, deren Erröten wohl ansteckend ist, denn auch die selbst aus Hagebuttensamen gezüchtete Rose hat weinrote Triebe, leider ohne Knospen:



Freudig begrüßt wird auch die Seidenpflanze - ein Ableger aus einem schon recht seidenpflanzen-geplagten Garten. Mal sehen, wann ich meine eigene Seidenstraße habe...

Mein großer Liebling ist aber das Taubenkropf-Leimkraut, gerade wegen seiner Aufgeblasenheit: Dieses zarte Nelkengewächs blüht nun das zweite Jahr und ich werde langsam zum Fan dieser heimischen Pflanze, die von Hummeln und Schmetterlingen besucht wird.



Hier schmeigt es sich an Fingerhut an:


Die weiße Taubnessel (Lamium album) spielt hier die Unschuld vom Lande, kann mir aber nicht plausibel erklären, warum sie sich weigert, sich in meinem Garten anzusiedeln, im Null-Euro-Beet aber sofort mit Sack und Pack einzog, ohne dass sie eine Extraeinladung brauchte:


Rosa multiflora blüht dazu in ebenfalls unschuldigem Weiß, das erste Mal, dass diese Krake von Wildrose dem totgepflegten Garten auf der anderen Seite vom Zaun mal zeigt, was Blüten sind:


Ebenfalls weiß: Der unter dem Namen Kornelkirsche von einem Nachbarn ins Beet gesetzte Rote Hartriegel, der seine Identitätskrise überwunden hat und mittlerweile doch recht deutlich mit dem Zaunpfahl winkt, dass er bitteschön keine Kornelkirsche ist und auch weiterhin keine sein möchte. Die Hummeln mögen ihn schon mal.



Brauner Storchschnabel und Rote Spornblume sind in alter Frische wieder beim Blühen dabei:



Wie man hier sehen kann, fühlt sich das Null-Euro-Beet aber an einer Seite neuerdings von einem militärischen Aufmarsch an Thuja-Monstern bedroht, die ihm früher oder später die Sonne und hoffentlich nicht jeglichen Lebensmut nehmen werden:


Da ist mir meine kleine Wildnis doch viel lieber. Und die macht es sich im Juni gerade so richtig gemütlich...

Samstag, 27. Mai 2017

Verflixt und ausgesät

Dieses Jahr läuft es ganz oft so: Nach ewigem Wünschen und Wollen habe ich meine Sehnsuchtsstauden letzten Herbst ausgesät. Sie sind auch brav wunschgemäß gekeimt, und kaum haben sie die ersten richtigen Blätter, bekomme ich sie als größere Ausgabe geschenkt. Es ist wie verhext. Hätte ich das Wagnis Kaltkeimer nicht auf mich genommen, hätte ich jetzt vermutlich gar kein Exemplar, auch kein geschenktes.

So ein Monster von Wald-Geißbart wie diese hier wollte ich gern haben vor lauter Übermut - denn Barttragen ist ja gerade so unglaublich modern:


Nun habe ich ihn in Gütersloh bei der Staudentauschbörse in die Finger bekommen, nachdem die Wald-Geißbart-Babies schon als solche zu erkennen waren. Sind sie nicht niedlich, auch ohne Bart? Die Samen hatte ich letzten Sommer im Vorbeigehen in einem Vorgarten einkassiert und vor dem Winter draußen ausgesät. (Das Blaue auf der Erde auf dem folgenden Bild ist kein Blaukorn, sondern Schneckenschleim. Geißbart schmeckt aber nicht, ha!)

Dann ist da noch die süße Süßdolde (Myrrhis odorata), die ich unbedingt haben wollte, da sie auch ganz gut im Schatten wächst und als Zugabe leckere Samen hat, die frischgrün nach Lakritz schmecken. Einer der besten Doldenblütler überhaupt für den Garten: So langlebig wie lecker.



Also habe ich die Samen auch im letzten Sommer in einen Topf gesteckt und abgewartet. Tatsächlich rührte sich im Frühling was: Die elegantesten Keimblätter überhaupt erschienen auf der Bildfläche, schön wie Models.



Schnell wuchsen die ersten weiß gezeichneten Laubblätter - auch das ist typisch Süßdolde, die durchaus zur Blattschmuckstaude taugt.


Und genau also in dem Jahr, als ich stolz die ersten süßen Mini-Döldchen im Töpfchen hatte, besuche ich einen Schaugarten an einem Montag. Es arbeitete dort gerade jemand. Wir kamen ins Gespräch, ich bewunderte die schönen Süßdolden, als der gute Mann auch schon den Spaten zückte und mir beherzt ein gigantisches Stück Wurzel abstach. Die Pflanze musste sowieso ein wenig eingedämmt werden, da sie sich so gut versamt.

So eine verletzte Wurzel riecht übrigens auch ganz herrlich und sehr stark nach Anis, aber es wäre gemein, sie nur dafür zu piesacken. Immerhin wurde die Rückfahrt auf dem Rad so zu einem ungeahnten Dufterlebnis.

In meinem Garten angekommen war die neue Süßdolde erst ganz schlapp und fremdelte ein wenig, erholte sich aber unglaublich schnell von dem Schock und fing sofort an zu blühen. Das nenn ich Lebenswillen.

Zusammen mit Bärlauch in weißen Hasenglöckchen sieht sie sensationell aus. Bald schon kann ich die ersten Samen naschen, aber nicht zuviele, damit ich bald überall die eleganten Keimlinge habe.







Und was säe ich jetzt, damit ich es geschenkt bekomme? Krötenlilien, Trillium oder -nein, jetzt hab ich's: Frühlings-Platterbse!

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