Samstag, 1. Juli 2017

Für schwache Nerven

Manchen Pflanzen möchte man mal einen Tipp auf den weiteren Lebensweg mitgeben: Hättet ihr auch mal mehr angestrengt und in der Baumschule besser aufgepasst, dann wäre aus euch vielleicht noch was geworden. Ein Karrierecoach würde es wohl so ausdrücken: Hättet ihr ein wenig an eurem Outfit gefeilt, dann wärt ihr nun ein Global Player und nicht die Verlierer des Garten-Booms.

Manche heimischen Wildpflanzen haben nämlich durchaus Potential und aus ihnen ließen sich echte Verkaufsschlager machen. Die Blüten und inneren Werte sind ja oft auch ganz hübsch, nur das Blattwerk sollte ein wenig pfiffiger daherkommen. Hier gilt es, aktuelle Modetrends nicht zu verschlafen und mal ein bisschen Panaschiertheit, Silberglanz oder Rüschen aufzutragen.

Die heimische Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum) hat schon erfolgreich gezeigt, wie sowas geht, und auch die Gold-Nessel kann da mithalten. Beim Thema Blattschmuck macht denen so schnell keiner was vor.

Und wenn auch der Baldrian (Valeriana officinalis) hübsch grün-weiß gestreifte Blätter hätte, wäre der Erfolg doch sicher vorprogrammiert?



Er ist immerhin schlank, hochgewachsen und beruhigt die Nerven. Katzen dagegen verhilft er zu einem zünftigen Rausch, der sich gewaschen hat. Seine zart rosafarbenen Blüten schweben erhaben über allem und können sich durchaus sehen lassen.


Doch beruhigt er auch die Nerven des Gartenbesitzers? Nicht unbedingt, manch einer braucht Nerven wie Drahtseile, da die Pflanze gern Ausläufer bildet und mit der Zeit immer mehr Raum einnimmt. Allerdings muss ich sagen, dass er keine unterirdischen Sprünge macht, wie manche Wildrosen oder Lysimachia ciliata, die unvermittelt einen Meter weiter aus dem Boden schießen.

Die heimische Staude hätte daher das Zeug zum Liebling aller Gärtner, die eine Stelle mit nicht allzu trockenem Boden vakant haben und gern auch mal zum Spaten greifen, um wildgewordene Stauden zu zähmen. Trockenheit ist dem Baldrian sehr zuwider. Dafür blüht er aber auch noch im Halbschatten ausgiebig und hat schönes Laub.



Schmetterlinge schaukeln gern auf den Blüten, später werden kleine Flugsamen herumgeweht.


Mein Exemplar bzw. die mittlerweile vorhandene Armada stammt übrigens vom Friedhof, wo er sich im Müll befand. Zu seiner Beruhigung habe ich ihn gerettet. Und es nicht bereut bisher. Das bisschen Auszupfen ist ja auch irgendwie meditativ... 

Kommentare:

  1. Hallo Elke! Viele lieben Dank für den wundervollen Beitrag. Baldrian....???....ich glaub ich hätt ihn nicht erkannt. Dafür schäm ich mich ein bissl aber ich gelobe Besserung und werde ab nun die Augen nach ihm offen halten :) GlG Sabine

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  2. Hallo Elke,
    Recht hast du ... aufgehübscht durch panaschiertes Blattwerk würde sicher mancher Pflanze zu mehr Erfolg im Staudengarten verhelfen. Von meinem kleinen Lamium bin ich ganz begeistert, da es fast immer Hummelbesuch hat. Daher hatte ich mir gestern noch Nachschub für eine dunklere Ecke besorgt, damit diese durch die schöne Blattzeichnung etwas aufgehellt wird.
    Ein schönes Wochenende für dich, Marita

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  3. Liebe Elke,
    einen schönen Text hast Du über Baldrian geschrieben. Ich bin von dieser Pflanze auch begeistert. Die leuchtend weiße Blüten sind eine Augenweide, die Blätter finde ich auch schön. Man kann auch Blütentee zubereiten.
    Ein schönes Wochenende
    Loretta

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  4. wie schön..
    die Pflanze habe ich jetzt bewusst noch nicht wahrgenommen
    ich dürfte sie hier wohl auch nicht haben da es sehr viele Katzen im Umkreis gibt ;)
    Text und Bilder..spitze..
    liebe Grüße
    Rosi

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  5. Liebe Elke, es ist eigentlich sehr schade, dass heimische Pflanzen so oft ins Hinterlegten geraten. Hübsch sind alle von Dir vorgestellten Pflanzen.

    LG kathrin

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  6. Die Nachbarn würden mich nicht mehr gerne haben, kämen ihr Katzen allesamt bekifft nach Hause. Aber es gäbe durchaus Plätzchen r Baldrian im Garten. Aber nur, wenn Schnecken ihn nicht mögen.... Gegen die ist wohl kein Kraut gewachsen?
    Herzlichst
    yase

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  7. liebe Elke, schöne rv*pflanze für schmetterlinge! zarte blüte hat die valériane officinale ! (noch) nicht hier * vieilleicht braucht diese pflanze einen nassen boden ? der boden hier sehr trocken im sommer * habe seit mehrere jahren dein angegebenes Lamium maculatum die im halbschatten im frühling und wieder im herbst wunderbar blüht * finde auch wilde karotte blüte sehr schön, sowie Pastinaca sativa die im sept anfangen samen bilden und beide haben elegante hohe stiele.
    da es diese woche ausnahmsweise viel regnet habe ich sogar einige bunte blumepflanze gekauft * nächste woche ist wieder der richtige sommer angesagt.
    liebe grüsse

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  8. Liebe Elke, ich bewundere ihn immer in der freien Natur. Vor zwei Jahren habe ich mir verschiedene wilde Doldenblütler genauer angeschaut und bin dabei auch bei ihm gelandet. In den Garten geholt habe ich ihn noch nicht. Aber vielleicht könnte er mit seinen Ausläufern ja gegen die Hortensie Annabelle ankämpfen, die auch im Halbschatten eine gute Figur abgibt! Ein wirklich sehr schönes Portrait von der Pflanze Nerventrost. LG sendet Marion

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  9. Der Friedhofsmüll scheint immer wieder Überraschungen parat zu haben....Baldrian kenne ich noch nicht, wollte mir gerne einen zulegen, aber er ist wohl eher nicht für den hiesigen Garten geeignet. Hier ist es nur ganz selten mal feucht, wie im Moment gerade.....und dann tritt gleich wieder das Gegenteil ein und das Wasser fließt nicht weg. Dann bräuchte ich auch Baldrian....für die Nerven.
    LG Sigrun

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  10. Man konzentriert sich im Garten oft auf die Prachtstauden... die Wildpflanzen dagegen führen eher ein Schattendasein! Gut, dass Du den Baldrian gerettet hast! Obwohl ich ein durchaus angespanntes Verhältnis zu Wucherern habe.... die letzten Erfahrungen machte ich mit dem Schneefelberich!
    Schönen Sonntag wünscht Dir
    MARGIT

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  11. Oft sehe ich Baldrian in Wäldern und Gräben wachsen.
    Hübsch ist er schon, aber du findest ihn wohlriechend?
    Wohl eher nicht...oder wächst bei euch ein anderer?
    Sommerliche Wachs- und Wuchergrüße!

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  12. Hallo Elke,
    ich habe ihn ja auch schon im Blick für unseren Garten. Ich finde diese zartrosafarbenen Dolden auch sehr schön.
    LG Dagmar

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  13. Liebe Elke,
    den Baldrian hatte ich mir auch in den Garten geholt. Allerdings wurde er von unseren Katzen schnell totgeliebt. Unter dem ständigen Rauschgewälze hat er schnell den Dienst quittiert. Ansonsten hätte ich ihn gern behalten. Ich finde ihn durchaus attraktiv, auch das Laub. :-)
    Herzlichst, Johanna

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  14. Liebe Elke,
    dank deines dynamischen Anpreisens kann aus dem Baldrian nur noch einen riesiger Verkaufsschlager werden - garantiert! Hoffentlich dankt er es dir angemessen ;-)
    Liebe Grüße
    Katharina

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  15. Liebe Elke,
    toll, wie du das Schöne in jedem noch so
    unscheinbarem Kraut entdeckt und uns zeigst :-)
    Ganz viele liebe Grüße sendet dir die Urte

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  16. Mein Baldrian ist sehr, sehr, sehr standorttreu:-)

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